Nathan der Weise 1.1. Gotthold Ephraim Lessing

Erster Aufzug – Erster Auftritt
(Szene: Flur in Nathans Hause.)
Nathan von der Reise kommend. Daja ihm entgegen.

Daja.
Er ist es! Nathan! – Gott sei ewig Dank,
Daß Ihr doch endlich einmal wiederkommt.

Nathan.
Ja, Daja; Gott sei Dank! Doch warum endlich?
Hab ich denn eher wiederkommen wollen?
Und wiederkommen können? Babylon
Ist von Jerusalem, wie ich den Weg,
Seitab bald rechts, bald links, zu nehmen bin
Genötigt worden, gut zweihundert Meilen;
Und Schulden einkassieren, ist gewiß
Auch kein Geschäft, das merklich födert, das
So von der Hand sich schlagen läßt.

Daja.       O Nathan,
Wie elend, elend hättet Ihr indes
Hier werden können! Euer Haus …

Nathan.       Das brannte.
So hab ich schon vernommen. – Gebe Gott,
Daß ich nur alles schon vernommen habe!

Daja.
Und wäre leicht von Grund aus abgebrannt.

Nathan.
Dann, Daja, hätten wir ein neues uns
Gebaut; und ein bequemeres.

Daja.       Schon wahr! -
Doch Recha wär’ bei einem Haare mit
Verbrannt.

Nathan.       Verbrannt? Wer? meine Recha? sie? -
Das hab ich nicht gehört. – Nun dann! So hätte
Ich keines Hauses mehr bedurft. – Verbrannt
Bei einem Haare! – Ha! sie ist es wohl!
Ist wirklich wohl verbrannt! – Sag nur heraus!
Heraus nur! – Töte mich: und martre mich
Nicht länger. – ja, sie ist verbrannt.

Daja.       Wenn sie
Es wäre, würdet Ihr von mir es hören?

Nathan.
Warum erschreckest du mich denn? – O Recha!
O meine Recha!

Daja.       Eure? Eure Recha?

Nathan.
Wenn ich mich wieder je entwöhnen müßte,
Dies Kind mein Kind zu nennen!

Daja.       Nennt Ihr alles,
Was Ihr besitzt, mit ebensoviel Rechte
Das Eure?

Nathan.       Nichts mit größerm! Alles, was
Ich sonst besitze, hat Natur und Glück
Mir zugeteilt. Dies Eigentum allein
Dank ich der Tugend.

Daja.       O wie teuer laßt
Ihr Eure Güte, Nathan, mich bezahlen!
Wenn Güt’, in solcher Absicht ausgeübt,
Noch Güte heißen kann!

Nathan.       In solcher Absicht?
In welcher?

Daja.       Mein Gewissen …

Nathan.             Daja, laß
Vor allen Dingen dir erzählen …

Daja.       Mein
Gewissen, sag ich …

Nathan.       Was in Babylon
Für einen schönen Stoff ich dir gekauft.
So reich, und mit Geschmack so reich! Ich bringe
Für Recha selbst kaum einen schönern mit.

Daja.
Was hilft’s? Denn mein Gewissen, muß ich Euch
Nur sagen, läßt sich länger nicht betäuben.

Nathan.
Und wie die Spangen, wie die Ohrgehenke,
Wie Ring und Kette dir gefallen werden,
Die in Damaskus ich dir ausgesucht:
Verlanget mich zu sehn.

Daja.       So seid Ihr nun!
Wenn Ihr nur schenken könnt! nur schenken könnt!

Nathan.
Nimm du so gern, als ich dir geb: – und schweig!

Daja.
Und schweig! Wer zweifelt, Nathan, daß Ihr nicht
Die Ehrlichkeit, die Großmut selber seid?
Und doch …

Nathan.       Doch bin ich nur ein Jude. – Gelt,
Das willst du sagen?

Daja.       Was ich sagen will,
Das wißt Ihr besser.

Nathan.       Nun so schweig!

Daja.             Ich schweige.
Was Sträfliches vor Gott hierbei geschieht,
Und ich nicht hindern kann, nicht ändern kann, -
Nicht kann, – komm’ über Euch!

Nathan.       Komm’ über mich! -
Wo aber ist sie denn? wo bleibt sie? – Daja,
Wenn du mich hintergehst! – Weiß sie es denn,
Daß ich gekommen bin?

Daja.       Das frag ich Euch!
Noch zittert ihr der Schreck durch jede Nerve.
Noch malet Feuer ihre Phantasie
Zu allem, was sie malt. Im Schlafe wacht,
Im Wachen schläft ihr Geist: bald weniger
Als Tier, bald mehr als Engel.

Nathan.       Armes Kind!
Was sind wir Menschen!

Daja.       Diesen Morgen lag
Sie lange mit verschloßnem Aug’, und war
Wie tot. Schnell fuhr sie auf, und rief: »Horch! horch!
Da kommen die Kamele meines Vaters!
Horch! seine sanfte Stimme selbst!« – Indem
Brach sich ihr Auge wieder: und ihr Haupt,
Dem seines Armes Stütze sich entzog,
Stürzt auf das Kissen. – Ich, zur Pfort’ hinaus!
Und sieh: da kommt Ihr wahrlich! kommt Ihr wahrlich! -
Was Wunder! ihre ganze Seele war
Die Zeit her nur bei Euch – und ihm. -

Nathan.       Bei ihm?
Bei welchem Ihm?

Daja.       Bei ihm, der aus dem Feuer
Sie rettete.

Nathan.       Wer war das? wer? – Wo ist er?
Wer rettete mir meine Recha? wer?

Daja.
Ein junger Tempelherr, den, wenig Tage
Zuvor, man hier gefangen eingebracht,
Und Saladin begnadigt hatte.

Nathan.       Wie?
Ein Tempelherr, dem Sultan Saladin
Das Leben ließ? Durch ein geringres Wunder
War Recha nicht zu retten? Gott!

Daja.       Ohn’ ihn,
Der seinen unvermuteten Gewinst
Frisch wieder wagte, war es aus mit ihr.

Nathan.
Wo ist er, Daja, dieser edle Mann? -
Wo ist er? Führe mich zu seinen Füßen.
Ihr gabt ihm doch vors erste, was an Schätzen
Ich euch gelassen hatte? gabt ihm alles?
Verspracht ihm mehr? weit mehr?

Daja.       Wie konnten wir?

Nathan.
Nicht? nicht?

Daja.       Er kam, und niemand weiß woher.
Er ging, und niemand weiß wohin. – Ohn’ alle
Des Hauses Kundschaft, nur von seinem Ohr
Geleitet, drang, mit vorgespreiztem Mantel,
Er kühn durch Flamm’ und Rauch der Stimme nach,
Die uns um Hilfe rief. Schon hielten wir
Ihn für verloren, als aus Rauch und Flamme
Mit eins er vor uns stand, im starken Arm
Empor sie tragend. Kalt und ungerührt
Vom Jauchzen unsers Danks, setzt seine Beute
Er nieder, drängt sich unters Volk und ist
Verschwunden!

Nathan.       Nicht auf immer, will ich hoffen.

Daja.
Nachher die ersten Tage sahen wir
Ihn untern Palmen auf und nieder wandeln,
Die dort des Auferstandnen Grab umschatten.
Ich nahte mich ihm mit Entzücken, dankte,
Erhob, entbot, beschwor, – nur einmal noch
Die fromme Kreatur zu sehen, die
Nicht ruhen könne, bis sie ihren Dank
Zu seinen Füßen ausgeweinet.

Nathan.       Nun?

Daja.
Umsonst! Er war zu unsrer Bitte taub;
Und goß so bittern Spott auf mich besonders …

Nathan. Bis dadurch abgeschreckt …

Daja.       Nichts weniger!
Ich trat ihn je den Tag von neuem an;
Ließ jeden Tag von neuem mich verhöhnen.
Was litt ich nicht von ihm! Was hätt’ ich nicht
Noch gern ertragen! – Aber lange schon
Kommt er nicht mehr, die Palmen zu besuchen,
Die unsers Auferstandnen Grab umschatten;
Und niemand weiß, wo er geblieben ist.
Ihr staunt? Ihr sinnt?

Nathan.       Ich überdenke mir,
Was das auf einen Geist, wie Rechas, wohl
Für Eindruck machen muß. Sich so verschmäht
Von dem zu finden, den man hochzuschätzen
Sich so gezwungen fühlt; so weggestoßen,
Und doch so angezogen werden; – Traun,
Da müssen Herz und Kopf sich lange zanken,
Ob Menschenhaß, ob Schwermut siegen soll.
Oft siegt auch keines; und die Phantasie,
Die in den Streit sich mengt, macht Schwärmer,
Bei welchen bald der Kopf das Herz, und bald
Das Herz den Kopf muß spielen. – Schlimmer Tausch! -
Das letztere, verkenn ich Recha nicht,
Ist Rechas Fall: sie schwärmt.

Daja.       Allein so fromm,
So liebenswürdig!

Nathan.       Ist doch auch geschwärmt!

Daja.
Vornehmlich eine – Grille, wenn Ihr wollt,
Ist ihr sehr wert. Es sei ihr Tempelherr
Kein irdischer und keines irdischen;
Der Engel einer, deren Schutze sich
Ihr kleines Herz, von Kindheit auf, so gern
Vertrauet glaubte, sei aus seiner Wolke,
In die er sonst verhüllt, auch noch im Feuer,
Um sie geschwebt, mit eins als Tempelherr
Hervorgetreten. – Lächelt nicht! – Wer weiß?
Laßt lächelnd wenigstens ihr einen Wahn,
In dem sich Jud’ und Christ und Muselmann
Vereinigen; – so einen süßen Wahn!

Nathan.
Auch mir so süß! – Geh, wackre Daja, geh;
Sieh, was sie macht; ob ich sie sprechen kann. -
Sodann such ich den wilden, launigen
Schutzengel auf. Und wenn ihm noch beliebt,
Hienieden unter uns zu wallen; noch
Beliebt, so ungesittet Ritterschaft
Zu treiben: find ich ihn gewiß; und bring Ihn her.

Daja.
Ihr unternehmet viel.

Nathan.       Macht dann
Der süße Wahn der süßern Wahrheit Platz: -
Denn, Daja, glaube mir; dem Menschen ist
Ein Mensch noch immer lieber, als ein Engel -
So wirst du doch auf mich, auf mich nicht zürnen,
Die Engelschwärmerin geheilt zu sehn?

Daja.
Ihr seid so gut, und seid zugleich so schlimm!
Ich geh! – Doch hört! doch seht! – Da kommt sie selbst.

Gotthold Ephraim Lessing

Gotthold Ephraim Lessing – Biographie

Gotthold Ephraim Lessing (* 22. Januar 1729 in Kamenz (Sachsen); † 15. Februar 1781 in Braunschweig) war der wichtigste deutsche Dichter der Aufklärung. Mit seinen Dramen und seinen theoretischen Schriften hat er die weitere Entwicklung der deutschen Literatur wesentlich beeinflusst.

Lessing wuchs als zweitältester Sohn von zwölf Kindern des protestantischen Pfarrers und Verfassers theologischer Werke Johann Gottfried Lessing (1693-1770) und Justine Salome Feller (1703-1777) in der ostsächsischen Kleinstadt Kamenz auf. Nach dem Besuch der städtischen Lateinschule in Kamenz seit 1737 und dem Wechsel an die Fürstenschule St. Afra in Meißen am 22. Juni 1741, für die er von Familie von Carlowitz ein Stipendium bekommen hatte, studierte er ab dem 20. September 1746 in Leipzig Theologie. 1748 wechselte er zum Medizinstudium. Im November zog er nach Berlin, wo er unter anderem 1750 Voltaire begegnete.

Von 1751 bis 1753 arbeitete Lessing als Rezensent und Redakteur für die Berlinische Privilegierten Zeitung, die spätere Vossische Zeitung.

Am 29. April 1752 erlangte er in Wittenberg die Magisterwürde.

Als Lessing im November 1752 nach Berlin zurückkehrte, bezog er gemeinsam mit Christian Nicolaus Naumann eine Bleibe, machte Bekanntschaft mit Karl Wilhelm Ramler, Friedrich Nicolai, Ewald Christian von Kleist, Johann Georg Sulzer und schloss Freundschaft mit Moses Mendelssohn. Im Oktober 1755 kehrte er nach Leipzig zurück. Im folgenden Jahr begann er eine auf mehrere Jahre angelegte Bildungsreise durch die Niederlande, England und Frankreich als Begleiter von Johann Gottfried Winkler, die er jedoch wegen des Siebenjährigen Krieges bereits in Amsterdam abbrechen musste. Im selben Jahr begegnete er dann Johann Wilhelm Gleim, Friedrich Gottlieb Klopstock und Conrad Ekhof.

1758 zog Lessing erneut nach Berlin, wo er mit Friedrich Nicolai und Moses Mendelssohn zusammen die Briefe, die neuste Literatur betreffend veröffentlichte.

Von 1760 bis 1765 war er in Breslau als Sekretär beim General Tauentzien beschäftigt. 1765 kehrte er zurück nach Berlin, um dann 1767 für drei Jahre als Dramaturg und Berater an das Hamburger Nationaltheater zu gehen, welches aber bereits 1769 aus finanziellen Gründen wieder geschlossen wurde. In dem Theater wurde Lessings Stück Minna von Barnhelm aufgeführt. Während seiner Tätigkeit am Hamburger Theater machte er unter anderem Bekanntschaft mit Friedrich Ludwig Schröder, Philipp Emanuel Bach, Johann Melchior Goeze, Johann Friedrich Löwen und den Familien Reimarus und König. Dabei lernte er seine spätere Frau Eva König kennen, deren Mann Engelbert König zu diesem Zeitpunkt noch lebte. Im selben Jahr wurde er zum auswärtigen Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften gewählt.

In Wolfenbüttel wurde er am 7. Mai 1770 Bibliothekar in der Herzog August Bibliothek. Dort entdeckte er das hochmittelalterliche Werk Schedula diversarum artium des Theophilus Presbyter, das er 1774 unter dem Titel Vom Alter der Ölmalerey aus dem Theophilus Presbyter herausgab.

Am 14. Oktober 1771 wurde Lessing in die Freimaurerloge Zu den drei Rosen in Hamburg aufgenommen, in einer abgewandelten Zeremonie in der Wohnung des Logenmeisters von Rosenberg, und in alle drei Grade eingeführt. Er war zwar bis 1780 Mitglied, besuchte die Loge aber nie wieder. Er schätzte die Freimaurerei hoch, wie an seinem 1778 und 1780 erschienenen Werk Ernst und Falk zu sehen, nicht aber die reale Freimaurerei, wie sie sich damals zeigte.

1771 verlobte er sich mit der 1768 verwitweten Eva König. 1775 wurde seine Arbeit in der Bibliothek unterbrochen durch mehrere Reisen zu Eva Königs jeweiligem Aufenthaltsort, nach Wien über Leipzig, Berlin, Dresden und Prag und einer Audienz bei Kaiser Joseph II. Als Begleiter des Braunschweiger Prinzen Leopold reiste er nach Italien mit Aufenthalten in Mailand, Venedig, Florenz, Genua, Turin, Rom, Neapel und auf Korsika.

Am 8. Oktober 1776 heirateten er und Eva König in Jork bei Hamburg. Am Weihnachtsabend 1777 gebar sie einen Sohn (Traugott), der aber am folgenden Tag starb. Am 10. Januar 1778 starb auch Eva Lessing an Kindbettfieber.

1779 verschlechterte sich Lessings Gesundheitszustand. Am 15. Februar 1781 starb Lessing an Brustwassersucht bei einem Besuch in Braunschweig im Hause des Weinhändlers Angott nach vierzehntägiger Krankheit.

Er wurde auf dem Braunschweiger Magni-Friedhof beigesetzt. 1793 setzte ihm der Braunschweiger Verleger Johann Heinrich Campe einen einfachen Stein mit Lessings Namen und Geburts- und Todestags. Sein Grab galt als verschollen und wurde 1833 von dem Braunschweiger Privatgelehrten und Kunsthistoriker Carl Schiller wieder aufgefunden. „Erst 1874 wurde es nach einem Entwurf von Friedrich Lilly im Atelier des Hofbildhauers Theodor Strümpell ausgeführt, das auf der Vorderseite das Reliefporträt Lessings von Hermann Stümpell jun. zeigt. Gestiftet wurde das Denkmal mit Genehmigung des Herzogs Wilhelm von der Hofttheater-Intendanz.

via Wikipedia: Gotthold Ephraim Lessing

Geschützt: Tempelarbeit

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Ziele der Freimaurerei

Im Gegensatz zu verschwörungstheoretischen Darstellungen ist die Freimaurerei kein „verschwörerischer Geheimbund“; der Sitz der Logen, ihre Vorsitzenden, ihre Satzungen sind bekannt, ihre Schriften und Beschreibungen von Ritualen der Freimaurerei sind für jeden in Stadtbibliotheken und Archiven öffentlich zugänglich.

Ziele und Werte der Freimaurerei leiten sich aus ihrer Entstehungsgeschichte ab. Die Gemeinschaft entstand aus den mittelalterlichen Steinmetzbruderschaften (siehe: Geschichte der Freimaurerei). Einen wichtigen Teil ihrer Werte entnahmen Freimaurer der Bauhüttenkultur. Je nach Großloge bekennen sich viele Freimaurer zu einem Schöpfungsprinzip, das sie den Allmächtigen Baumeister aller Welten nennen. Symbole vermitteln gemeinsame Werte und Ideen. Das gegenseitige Versprechen zur Verschwiegenheit dient nicht der Geheimniskrämerei, sondern soll Privatsphäre bieten. In Diskussionen ist Streit über politische und religiöse Gegenstände verpönt. Ebenso sind Freimaurer zum Respekt vor den Gesetzen des eigenen Landes verpflichtet und bekennen sich zur Weltbruderkette. Sie symbolisiert die Brüderlichkeit aller Menschen.

Der Großteil der freimaurerischen Werte entstammt dem Zeitalter der Aufklärung. Im Folgenden dargestellt als fünf Grundpfeiler der Freimaurerei: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität.

  • Freiheit soll verwirklicht werden durch die Freiheit vor Unterdrückung und Ausbeutung als Grundvoraussetzung der Freiheit des Geistes und der individuellen Verwirklichung.
  • Gleichheit bedeutet Gleichheit der Menschen ohne Klassenunterschiede und Gleichheit vor dem Gesetz.
  • Brüderlichkeit wird verwirklicht durch Sicherheit, Vertrauen, Fürsorge, Mitverantwortung und der Verständigung mit- und untereinander.
  • Toleranz wird gelebt durch aktives Zuhören und Verständnis anderer Meinungen.
  • Humanität umfasst die Summe aller vorherigen vier Grundsäulen und wird durch den salomonischen Tempel symbolisiert, an dem die Freimaurer arbeiten.

Das Ziel der Freimaurerei liegt darin, diese Grundsätze im Alltag zu leben, und so das Gute in der Welt zu fördern.

Freimaurerei

Der Begriff Freimaurer ist eine Lehnübersetzung des 18. Jahrhunderts für englisch Freemason. Ursprünglich bezeichnete er die in Bauhütten organisierten Steinbildhauer oder Baumeister, die freestone-masons, im Gegensatz dazu waren die roughstone-masons eher für die gröberen Arbeiten zuständig.

Die Freimaurerei (auch Königliche Kunst) ist eine weltumspannende humanitäre Initiationsgemeinschaft. Sie ist in Logen organisiert und vereint Menschen aller sozialen Schichten, Bildungsgrade und religiösen Vorstellungen. Ihre Symbolik wird in Zeremonien und Ritualen vermittelt und dient der geistigen und ethischen Selbstvervollkommnung.[1] Dadurch sollen Brüderlichkeit und Humanität gefördert werden.

Durch sein Gelöbnis ist ein Freimaurer an Verschwiegenheit über freimaurerische Erkennungszeichen (Zeichen, Wort, Handgriffe), Ritual und vertrauliche Informationen anderer Mitglieder gebunden, damit in der Loge Gesagtes und Erfahrenes nicht nach außen getragen werden. Dies gilt als Grundvoraussetzung für einen freien Ideen- und Meinungsaustausch. Das vorherige Studium eines Rituals würde das persönliche Erlebnis eines Neufaufgenommenen beeinträchtigen, weshalb Freimaurer zur Verschwiegenheit über freimaurerische rituelle Vorgänge verpflichtet werden. Grundsätzlich sind solche Rituale in Bibliotheken einsehbar.

Nach außen besteht die wichtigste Aufgabe eines Freimaurers in karitativer Arbeit und der Förderung von Bildung und Aufklärung.

Die heutige Freimaurerei organisiert sich weltweit in eingetragenen Vereinen und betreibt Öffentlichkeitsarbeit. Sie ist daher nicht als Geheimbund anzusehen. Zwei der bekanntesten freimaurerischen Symbole sind Winkel und Zirkel.

Die Göttliche Komödie: Die Hölle – Erster Gesang

Erster Gesang

  1. Auf halbem Weg des Menschenlebens fand
    ich mich in einen finstern Wald verschlagen,
    Weil ich vom rechten Weg mich abgewandt.
  2. Wie schwer ist’s doch, von diesem Wald zu sagen,
    Wie wild, rauh, dicht er war, voll Angst und Not;
    Schon der Gedank’ erneuert noch mein Zagen.
  3. Nur wenig bitterer ist selbst der Tod;
    Doch um vom Heil, das ich drin fand, zu künden,
    Sag’ ich, was sonst sich dort den Blicken bot.
  4. Nicht weiß ich, wie ich mich hineingewunden,
    So ganz war ich von tiefem Schlaf berückt,
    Zur Zeit, da mir der wahre Weg verschwunden.
  5. Doch bis zum Fuß des Hügels vorgerückt,
    Der an dem Ende lag von jenem Tale,
    Das mir mit schwerer Furcht das Herz gedrückt,
  6. Schaut’ ich empor und sah, den Rücken male
    Ihm der Planet, der uns auf jeder Bahn
    Gerad zum Ziele führt mit feinem Strahle.
  7. Da fingen Angst und Furcht zu Schwinden an,
    Die mir des Herzens Blut erstarren machten,
    In jener Nacht, da Grausen mich umfah’n.
  8. Und so wie atemlos, nach Angst und Schmachten,
    Schiffbrüchige vom Strand, entfloh’n der Flut,
    Starr rückwärts schauend, ihren Grimm betrachten;
  9. So kehrt’ ich, noch mit halberstorbnem Mut,
    Mich jetzt zurück, nach jenem Passe sehend,
    Der jeglichem verlöscht des Lebens Glut.
  10. Und, etwas ausgerastet, weitergehend,
    Wählt’ ich bergan den Weg der Wildnis mir,
    Fest immer auf dem tiefern Fuße stehend.
  11. Sieh, beim Beginn des steilen Weges schier,
    Bedeckt mit buntgeflecktem Fell die Glieder,
    Gewandt und sehr behend ein Panthertier.
  12. Nicht wich’s von meinem Angesichte wieder,
    Und also hemmt es meinen weitern Lauf,
    Daß ich mich öfters wandt’ ins Tal hernieder.
  13. Am Morgen war’s, die Sonne stieg itzt auf,
    Von jenen Sternen, so wie einst, umgeben,
    Als Gottes Lieb’ aus ödem Nichts herauf
  14. Die schöne Welt berief zu Sein und Leben;
    So ward mir Grund zu guter Hoffnung zwar
    Durch jenes Tieres heitres Fell gegeben
  15. Und durch die Frühstund’ und das junge Jahr
    Doch so nicht, daß in mir nicht Furcht sich regte,
    Als furchtbar mir ein Leu erschienen war.
  16. Es schien, daß er sich gegen mich bewegte,
    Mit hohem Haupt und mit des Hungers Wut,
    So daß er Schrecken, schien’s, der Luft erregte.
  17. Auch eine Wölfin, welche jede Glut
    Der Gier durch Magerkeit mir schien zu zeigen,
    Die schon auf viele schweren Jammer lud.
  18. Vor dieser mußte so mein Mut sich neigen
    Aus Furcht, die bei dem Anblick mich durchbebt,
    Daß mir die Hoffnung schwand, zur Höh’n zu steigen.
  19. Wie der, der eifrig zu gewinnen strebt,
    Wenn zum Verlieren nun die Zeit gekommen,
    In Kümmernis und tiefem Bangen lebt;
  20. So machte dieses Untier mich beklommen;
    Von ihm gedrängt, mußt’ ich mich rückwärts zieh’n
    Dorthin, wo nimmer noch der Tag entkommen.
  21. Als ich zur Tiefe niederstürzt’ im Flieh’n,
    Da war ein Wesen dorten zu erkennen,
    Das durch zu langes Schweigen heiser schien.
  22. Ich rief, sobald ich’s nur gewahren können
    In großer Wildnis: “O erbarme dich,
    Du, seist du Schatten, seist du Mensch zu nennen.”
  23. Und jener sprach: “Nicht bin, doch Mensch war ich;
    Lombarden waren die, so mich erzeugten,
    Und beide priesen Mantuaner sich.
  24. Eh’, spät, die Römer sich dem Julius beugten,
    Sah ich das Licht, sah des Augustus Thron,
    Zur Zeit der Götter, jener Trugerzeugten.
  25. Ich war Poet und sang Anchises’ Sohn,
    Der Troja floh, besiegt durch Feindestücke,
    Als, einst so stolz, in Staub sank Ilion.
  26. Und du – du kehrst zu solchem Gram zurücke?
    Was bleibt die freud’ge Höhe nicht dein Ziel,
    Die Anfang ist und Grund zum vollen Glücke?”
  27. “So bist du,” rief ich, “bist du der Virgil,
    Der Quell, dem reich der Rede Strom entflossen?”
    Ich sprach’s mit Scham, die meine Stirn befiel.
  28. “O Ehr’ und Licht der andern Kunstgenossen,
    Mir gelt’ itzt große Lieb’ und langer Fleiß,
    Die meinem Forschen dein Gedicht erschlossen.
  29. Mein Meister, Vorbild! dir gebührt der Preis,
    Den ich durch schönen Stil davongetragen,
    Denn dir entnahm ich, was ich kann und weiß.
  30. Sieh dieses Tier, o sieh’ mich’s rückwärts jagen,
    Berühmter Weiser, sei vor ihm mein Hort.
    Es macht mir zitternd Puls’ und Adern schlagen.”
  31. “Du mußt auf einem andern Wege fort,”
    Sprach er zu mir, den ganz der Schmerz bezwungen,
    “Willst du entfliehn aus diesem wilden Ort,
  32. Denn dieses Tier, das dich mit Graun durchdrungen,
    Läßt keinen zieh’n auf seines Weges Spur,
    Hemmt jeden, bis es endlich ihn verschlungen.
  33. Es ist von böser, tückischer Natur
    Und nimmer fühlt’s die wilde Gier ermatten,
    Ja, jeder Fraß schärft seinen Hunger nur.
  34. Mit vielen Tieren wird sich’s noch begatten,
    Bis daß die edle Dogge kommt, die kühn
    Es würgt und hinstürzt in die ew’gen Schatten.
  35. Nicht wird nach Land und Erz ihr Hunger glüh’n,
    Doch wird sie nie an Lieb’ und Weisheit darben;
    Inmitten Feltr’ und Feltro wird sie blüh’n,
  36. Zu Welschlands Heil, des Ruhm und Glück verdarben,
    Obwohl vordem Camilla für dies Land,
    Eurialus, Turnus und Nisus starben.
  37. Nicht wird sie ruh’n, bis sie dies Tier verbannt;
    Sie wird es wieder in die Hölle senken,
    Von wo’s zuerst der Neid heraufgesandt.
  38. Du folg’ itzt mir zu deinem Heil – mein Denken
    Und Urteil ist’s – ich will dein Führer sein,
    Und dich durch ew’gen Ort von hinnen lenken.
  39. Dort wirst du hören der Verzweiflung Schrei’n,
    Wirst alte Geister schau’n, die brünstig flehen
    Um zweiten Tod in ihrer langen Pein.
  40. Wirst jene dann im Feu’r zufrieden sehen,
    Weil sie verhoffen, zu dem sel’gen Chor,
    Sei’s wann es immer sei, noch einzugehen.
  41. Und willst du auch zu diesem dann empor,
    Würd’ger als ich, wird eine Seel’ erscheinen,
    Die geht, schied ich, als Führerin dir vor.
  42. Denn jener, der dort oben herrscht, läßt keinen
    Eingehn, von mir geführt, in seine Stadt,
    Weil ich mich nicht verbunden mit den Seinen.
  43. Er herrscht im All, dort ist die Herrscherstatt,
    Sein Thron und seine Burg in jener Höhe.
    Heil dem, den er erwählt dort oben hat”
  44. “O Dichter,” Sprach ich jetzt zu ihm, “ich flehe
    Bei jenem Gotte, den du nicht erkannt,
    Daß diesem Leid und schlimmerm ich entgehe,
  45. Bring’ an die Orte mich, die du genannt,
    So, daß ich Petri Tor erschauen möge
    Und jene, wie du sprachst, zur Qual verbannt.”
  46. Da schritt er fort, ich folgte seinem Wege.

Dante Alighieri

Dante Alighieri

dante alighieri
Dante Alighieri (* 1265 in Florenz; † 14. September 1321 in Ravenna) war ein italienischer Dichter und Philosoph. Er hat mit seiner berühmten „Göttlichen Komödie“ die italienische Literatursprache aus dem bis dahin dominierenden Latein förmlich „erschaffen“.

Utopia – Abschaffung des Privateigentums

Nachhaltigste Wirkung hatte das Plädoyer des fiktiven Berichterstatters über Utopia für die Abschaffung des Privateigentums:

„Indessen… scheint mir – um es offen zu sagen, was ich denke – in der Tat so, dass es überall da, wo es Privateigentum gibt, wo alle alles nach dem Wert des Geldes messen, kaum jemals möglich sein wird, gerechte oder erfolgreiche Politik zu treiben, es sei denn, man wäre der Ansicht, dass es dort gerecht zugehe, wo immer das Beste den Schlechtesten zufällt, oder glücklich, wo alles an ganz wenige verteilt wird und auch diese nicht in jeder Beziehung gut gestellt sind, die übrigen jedoch ganz übel…“
„Wenn ich das, wie gesagt, bedenke, werde ich dem Platon besser gerecht und wundere mich weniger, dass er es verschmäht hat, solchen Leuten überhaupt noch Gesetze zu geben, die die gleichmäßige Verteilung aller Güter ablehnten.“ [2]

via Wikipedia: Utopia (Roman)

Utopia – Das Leben der Utopier

Der erste Teil des Werks hat eine Rahmenhandlung zum Inhalt, in der eine ausführliche Kritik an den damaligen politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen Europas, im Besonderen Großbritanniens, geübt wird. Morus erkärt zum Beispiel, dass er die Todesstrafe für Diebe in Großbritannien unpassend findet, da es durch die harte Bestarfung für den Dieb keinen Unterschied mache zu stehlen oder zu morden. Der zweite Teil wird im Wesentlichen von der Schilderung der Organisation des Staats und der Lebensverhältnisse der Bewohner Utopias ausgefüllt.

Die Utopier leben in den Städten in Familienverbänden. Erwachsene Geschlechtspersonen gehen eine monogame Ehe ein. Es herrscht allgemein eine patriarchalische Hierarchie, und die Älteren bestimmen über die Jüngeren. Überfamiliär ist die Gemeinschaft klosterähnlich organisiert mit Gemeinschaftsküche und gemeinsamen Speisungen. Ein jährlich gewählter Vorsteher hat die Aufsicht über einen Familienverband von 30 Familien. Privateigentum existiert nicht, jeder bekommt unentgeltlich die von der Gemeinschaft produzierten Güter für den persönlichen Bedarf zugeteilt, die er begehrt. Männer und Frauen arbeiten als Handwerker sechs Stunden am Tag, in welchem Handwerk ein Bürger ausgebildet wird, kann er selbst entscheiden. Es besteht Arbeitspflicht, und turnusgemäß werden die Utopier aufs Land verschickt, wo sie gemeinschaftlich Ackerbau betreiben. Für Kinder besteht Schulpflicht. Besonders Begabte erhalten eine wissenschaftliche oder künstlerische Ausbildung. Die wissenschaftlichen Vorlesungen sind öffentlich, sie zu besuchen ist die beliebteste Freizeitgestaltung der Utopier. Besonderen Wert legen die Bürger auf eine für jeden Kranken optimale Krankenversorgung. Männer und Frauen üben regelmäßig für den Kriegsdienst. Kriegsverbrecher und Straftäter, teils als Todeskandidaten aus dem Ausland gekauft, müssen Zwangsarbeit leisten. In der säkular organisierten Gemeinschaft herrscht religiöse Toleranz.

Der Staat ist eine Republik. Jede Stadt wird von einem Senat regiert, der sich aus Wahlbeamten auf Zeit zusammensetzt. Das Staatsoberhaupt ist auf Lebenszeit gewählt. Wichtige Entscheidungen werden durch Volksabstimmung getroffen.

Gold (Geld) gibt es bei den Utopiern selbst nicht. Sie sollen aber durch eine Überproduktion an Gütern vieles davon anhäufen, und verwenden es um Söldnerheere oder Handel zu betreiben. Die Utopier selbst schätzen Gold nicht.

Städte dürfen nur eine bestimmte Größe erreichen. Überbevölkerung wird durch Migration bzw. Bildung einer Kolonie im Ausland ausgeglichen. Umgekehrt findet bei Einwohnermangel ein Rückfluss aus den Kolonien oder überbevölkerten Städten statt.

via Wikipedia: Utopia (Roman)

Loge Morus zu Frankfurt am Main

insulatopia

Loge Morus zu Frankfurt
Internetseite der Loge Morus zu Frankfurt am Main,
humanistische und undogmatische Freimaurer

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